Bildungswerk für Friedensarbeit e.V. http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/wp Sat, 25 Oct 2014 07:59:39 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.8.4 Ukraine: Kontaminierte Erinnerung http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/10/ukraine-kontaminierte-erinnerung/ http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/10/ukraine-kontaminierte-erinnerung/#comments Sat, 25 Oct 2014 05:25:34 +0000 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/?p=4218 Weiterlesen ]]> Die ukrainische Zivilgesellschaft feiert einen faschistischen »Freiheitskämpfer« und degradiert den Holocaust zur Marginalie. Eine geschichtspolitische Reise nach Lwiw und Kiew.
Der Rathausplatz von Lwiw im Spätsommer: Eine Gruppe von Fahrradfahrern kämpft für mehr Platz auf der Straße. Auf ihrer Fahne steht »Critical Mass«. So sieht sie also aus, die ukrainische Zivilgesellschaft. Wie in Deutschland. Anders als in Deutschland: Der Anführer ruft »Slawa Ukraini«, die Menge antwortet »Heroiam Slawa«, »Ruhm der Ukraine – Ruhm den Helden«. Es folgt die Parole: »Ruhm der Nation – Tod den Feinden«. Das Ganze wiederholt sich mehrfach, Passanten rufen der Menge die Parolen zu, die freudig antwortet. Neu sind die Schlachtrufe nicht, es sind die Grußformeln der faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und ihres 1942 gegründeten militärischen Arms, der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA)….

Im September war ein kleines Team von uns und der Pinima-Produktion auf einer “erinnerungspolitischen” Reise nach Lwiw und Kiew. Wir wollten wissen, wie tiefgreifend die Verehrung von Bandera und der Organisation Ukrainischer Nationalisten ist, und welche Bedeutung das für die Erinnerung an den Holocaust hat. Dazu hat Frank Brendle in der jungen Welt einen Reisebericht veröffentlicht (Gleich eine Berichtigung: Die Fotos in diesem Artikel werden falsch zugeordnet, sie sind von pinima-Produktion. Online ist das von der jW korrigiert worden.). Wir werden in den nächsten Tagen noch mehr Eindrücke von dieser Reise veröffentlichen, die teilweise auch über das rein Erinnerungspolitische hinaus gehen.

Der Rathausplatz von Lwiw im Spätsommer: Eine Gruppe von Fahrradfahrern kämpft für mehr Platz auf der Straße. Auf ihrer Fahne steht »Critical Mass«. So sieht sie also aus, die ukrainische Zivilgesellschaft. Wie in Deutschland. Anders als in Deutschland: Der Anführer ruft »Slawa Ukraini«, die Menge antwortet »Heroiam Slawa«, »Ruhm der Ukraine – Ruhm den Helden«. Es folgt die Parole: »Ruhm der Nation – Tod den Feinden«. Das Ganze wiederholt sich mehrfach, Passanten rufen der Menge die Parolen zu, die freudig antwortet. Neu sind die Schlachtrufe nicht, es sind die Grußformeln der faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und ihres 1942 gegründeten militärischen Arms, der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA). Die kämpfte meist gegen die Sowjetunion, selten gegen Deutsche und brachte Zehntausende Polen und Juden um. Heute ist zumindest der erste Spruch eine gängige Anrede jener Ukrainer, die sich »proeuropäisch« wähnen. Die Geschichtspolitik ist in der Ukraine seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 ein politischer Kampfplatz. In der Offensive sind diejenigen, die die nationalistischen Kräfte der Zwischen- und Kriegszeit als Freiheitskämpfer rehabilitieren wollen. Seit auf dem Maidan Poster der OUN und ihres Anführers Stepan Bandera prominent plaziert wurden, ist deren Verehrung gesellschaftsfähig.

Lwiw, das frühere Lemberg, ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Hochburg des (west-)ukrainischen Nationalismus. Hier fuhr die ultrarechte Partei »Swoboda« zuletzt Wahlergebnisse von über 30 Prozent ein. Die Straßen tragen die Namen nationalistischer Größen oder heißen gleich »Helden der UPA«. Auf den Märkten werden Tassen, T-Shirts und Schals mit den Konterfeis von Bandera und seinen Kameraden feilgeboten. Auch das Gesicht des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist zu sehen: auf Klopapierrollen und Fußabtretern. Der »Boulevard Stepan Bandera« verbindet das überlebensgroße Denkmal des OUN-Führers mit dem »Denkmal für die Opfer kommunistischer Verbrechen«. Dort, in einem ehemaligen Gefängnis, befindet sich auch das »Museum der Opfer der Besatzungsregime«. Einheiten des sowjetischen Innenministeriums (NKWD) ermordeten hier im Juni 1941 mehrere tausend Häftlinge, ein Anlass zum Gedenken ist zweifellos vorhanden. Doch dass Nazis und ihre einheimischen Kollaborateure Juden in das Gefängnis schleppten, um sie für die Tötungen verantwortlich zu machen, und dabei rund 4.000 Menschen ermordeten, daran erinnert nichts. Hier geht es nur um Ruhm und Opferbereitschaft von Ukrainern.

Im »Museum des nationalen Befreiungskampfes«, das vor zwei Jahren im Beisein von UPA-Veteranen eröffnet wurde, bietet sich das gleiche Bild. In chronologischer Reihenfolge werden die gescheiterten Unabhängigkeitskämpfer der Jahre nach 1917 ebenso wie die Milizen der OUN, die UPA und selbst die Waffen-SS-Division »Galizien« präsentiert, allesamt als angebliche Repräsentanten eines kontinuierlichen »Befreiungskampfes«. Diese Logik findet ihre Fortsetzung auf dem militärischen Teil des Lytschakiwski-Friedhofes, wo die Soldaten, die derzeit bei den Kämpfen im Osten ums Leben kommen, bestattet werden – neben UPA-Soldaten und einem Obelisken der Waffen-SS. Auch an Roman Schuchewitsch, einst Kommandeur des Wehrmachtsbataillons »Nachtigall« und später der UPA, erinnert ein Ehrenmal. An den Holocaust erinnert in Lwiw – einer Stadt, in der bis zum Einmarsch der Wehrmacht rund ein Drittel der Bevölkerung Juden waren – nur wenig. Die jüdische Gemeinde hat in Eigenregie ein Mahnmal am früheren Ghetto-Eingang errichtet. Ein »offizielles« gibt es nicht.

Die jüdische Sozial- und Bildungseinrichtung Hesed-Arieh hat vor sechs Jahren eine Unterrichtseinheit über jüdische Kultur und den Holocaust entwickelt. Dazu gehörten auch Filmsequenzen, die zeigen, wie Ukrainer 1941 den Einmarsch der Wehrmacht begrüßten. Politiker von Swoboda protestierten, die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen »antiukrainischer Tätigkeiten«, Hesed-Arieh wurde vor eine Kommission zitiert. »Im Ergebnis hat man uns nicht erlaubt, diese Tätigkeit an den Schulen fortzusetzen«, erklärt Irina Belous, eine Mitarbeiterin der Organisation.
Holocaust als Randerscheinung

Auch Taras Tscholij will die Erinnerung an den Holocaust in Lwiw fördern, wenn auch sehr eigentümlich: Der Filmproduzent hat sich in den Kopf gesetzt, auf den Resten des früheren Ghettos, wo nach 1945 eine Haftanstalt des NKWD stand, ein »Territorium des Terrors« zu installieren. »Maximal interaktiv« soll es sein, inklusive wiederaufgebauter Stacheldrahtzäune, Baracken und Wachtürme. Als wir vor Tscholijs Büro ankommen, ist der Mittdreißiger gerade dabei, einen alten Wehrmachtskarabiner im Kofferraum seines Autos zu verstauen, für eine private Militärübung. Dazu passend trägt er ein T-Shirt mit der Aufschrift »Karpaten-Schützen«. Der Ableger der OUN kämpfte 1938 für die Unabhängigkeit der Karpato-Ukraine. Tscholij will OUN und UPA ehren, sein Facebook-Auftritt macht mit einem UPA-Plakat auf, doch es geht ihm durchaus auch um eine Erinnerung an den Holocaust. »Da gab es Leute, die wussten, wo die Juden das Gold versteckt hatten, und sie den Deutschen ausgeliefert haben«, sagt er. Und er räumt, immerhin, »Fehler« der UPA ein; einige ihrer Kommandanten hätten polnische Dörfer überfallen. Was er sonst erzählt, ist haarsträubend. Selbstverständlich werde der größte Teil der Gedenkanlage den sowjetischen Opfern gewidmet sein, »weil das zeitlich gesehen am längsten gedauert hat und wahrscheinlich auch am schrecklichsten war«. Der UPA Morde an Juden vorzuwerfen, weist er als »unlogisch« zurück: Schließlich habe die UPA auf die Hilfe der USA gehofft, und »in den USA dominiert das jüdische Kapital«, glaubt er zu wissen. »Also wo«, fragt er, »sollte der Sinn sein, Aktionen gegen Juden zu unternehmen?« Der Stadtrat hat Tscholij zum »Direktor« des Projektes ernannt. Faktisch ist das eher ein Ehrentitel, für den es nicht mehr als ein Taschengeld gibt. Die Baukosten müssen fremdfinanziert werden, im Moment stockt das Vorhaben.

Welche Rolle die Holocaust-Erinnerung in der Ukraine hat, spiegelt kaum ein Ort besser wider als Babi Jar. In dieser Schlucht, ein paar Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt Kiew entfernt, erschossen Nazis und ukrainische Polizisten am 29. und 30. September 1941 33.771 jüdische Einwohner. Die SS hatte genau mitgezählt. In den 1960er Jahren wurde ein Mahnmal für die ermordeten »friedlichen sowjetischen Bürger« errichtet, doch erst nach der Unabhängigkeit konnte die jüdische Gemeinde ein eigenes Denkmal aufstellen. Die Ankündigungen ukrainischer Regierungen unterschiedlicher Couleur, hier ein Holocaust-Museum zu errichten, kamen über zwei symbolische Grundsteinlegungen nie hinaus.

Kein leeres Versprechen blieb dagegen die »Holodomor«-Gedenkstätte, die 2008 auf den Dnjepr-Hügeln errichtet wurde. Gewidmet ist sie den Toten der Hungersnöte in der sowjetischen Ukraine, vor allem den bis zu vier Millionen Opfern von 1932/33. Eine Mitschuld Moskaus ist historisch kaum strittig. In einer höchst suggestiven Ausstellung wird die Hungersnot hier jedoch als absichtsvoller Genozid von Russen und Bolschewisten am ukrainischen Volk dargestellt. Dass auch Menschen russischer, jüdischer und anderer Nationalitäten verhungerten, interessiert nicht – Ziel des Memorials ist es, »nationale Identität« auf der Basis eines rein ukrainischen Leides zu konstruieren.

»Nach der ›orangen Revolution‹ wurde der ›Holodomor‹ zum Mittelpunkt der wissenschaftlichen Forschung. Der Holocaust galt als marginale jüdische Angelegenheit«, resümiert Boris Zabarko. Der 79jährige jüdische Historiker hat den Holocaust im Ghetto eines kleinen Schtetls im rumänischen Besatzungsgebiet überlebt. Heute leitet er die Vereinigung der ehemaligen Ghetto- und KZ-Häftlinge. Das »Institut des nationalen Gedächtnisses«, das während der Präsidentschaft von Wiktor Juschtschenko, dem Vorgänger des im Februar gestürzten Wiktor Janukowitsch, gegründet worden war, habe »die Kämpfer der UPA gepriesen, die Führer der OUN, die Kollaborateure« und damit »auch diejenigen, die an antijüdischen Aktionen in der Westukraine beteiligt waren«. Der Bandera-Kult löst bei Zabarko sichtbare Emotionen aus. »Ich weiß viel zu gut, welche Rolle Bandera und seine Leute gespielt haben, dass sie an der Endlösung der Judenfrage beteiligt waren«, sagt er. Über den Holocaust zu reden hieße auch, über die Kollaboration zu reden. »Aber hier bei uns wird das Thema eher verschwiegen.«
Faschisten schöngeredet

Zu den Gewinnern des Maidan gehört Wolodimir Wiatrowitsch. Der Mann ist der wohl wichtigste Weißwäscher der OUN, den es in der Ukraine gibt. Er hat nach der »orangen Revolution« das staatliche »Institut des nationalen Gedächtnisses« geleitet – das einzige Geschichtsprojekt, das überhaupt Staatsgelder erhält. Unter Janukowitsch zum einfachen Angestellten degradiert, ist Wiatrowitsch seit April wieder ganz oben und hat die Kontrolle über einen Großteil der historischen OUN/UPA-Akten. Wiederholt betont er im Gespräch, alles Negative, was über die OUN zu lesen sei, entstamme der sowjetischen Propaganda. Auf die Frage, wie es dann komme, dass etliche westliche Historiker gerade in den vergangenen zehn Jahren ausführlich über den faschistischen Charakter und die Verbrechen der OUN geschrieben hätten, über die Massenmorde an Polen und anderen, hat er eine verblüffend einfache Antwort. »Diese Historiker stehen nach wie vor unter dem Einfluss der sowjetischen Darstellungen«, meint Wiatrowitsch.

Die Bandera-Anhänger seien »die ersten gewesen, die den illegalen Kampf gegen Nazideutschland führten«, beteuert Wiatrowitsch, und im gleichen Atemzug betont er, die Zusammenarbeit mit den Nazis sei nur rein praktischer, nicht aber ideologischer Natur gewesen. Heute seien die Bandera-Nationalisten jedenfalls »ein Vorbild für viele Ukrainer, ein Vorbild des kompromisslosen und aufopferungsvollen Kampfes für einen unabhängigen Staat«. Wiatrowitsch verweist zudem auf eine Folge der angeblichen (“angeblich” ist hier falsch – die russische Propaganda ist real und fürchterlich überzogen. Ob sie wirklich diese Wirkung hatte, ist wiederum eine Angabe von Wiatrowitsch; F. B.) russischen Propaganda: Weil diese den Maidan undifferenziert als Angelegenheit von »Banderowzy« gegeißelt habe, sei dort die Antwort gewesen: »Ja, wir sind Banderowzy, wir kämpfen auch für die Unabhängigkeit der Ukraine.«

Wiatrowitsch stammt – man möchte fast sagen: natürlich – aus Lwiw. Dort hat der Historiker Jaroslaw Hryzak, Dozent an der Katholischen Universität, nicht viel für ihn übrig: Sein Fachkollege stehe in der Tradition der Exilukrainer, die »die historische Forschung und die Erinnerung kontaminiert hat«. Wiatrowitsch spiele mit Dokumenten, um den Bandera-Mythos zu stärken, sagt Hryzak, der das als »Verrat an seiner professionellen Ausbildung« ansieht. Bandera sei populär, weil die Leute nicht wahrnähmen, dass es zwischen dem aufgehübschten Bild ihres Idols als antirussischem Freiheitskämpfer und den historischen Tatsachen eine erhebliche Differenz gebe: »Bandera war mit Sicherheit antirussisch, aber er war genauso sicher kein Gegner eines autoritären Staatsmodells«, so Hryzak. Den Bandera-Flügel der OUN nennt er fremdenfeindlich und antieuropäisch. Wüsste Bandera, dass er heute für proeuropäische und liberale Werte in Anspruch genommen werde, »er würde sich im Grabe umdrehen«. Vor zehn Jahren hat Hryzak einen OUN-kritischen Artikel veröffentlicht, als »Einladung zur Diskussion«. Die wurde nicht angenommen, rief aber die »Swoboda« auf den Plan: »Mehrere ihrer Anführer bedrohten mich öffentlich und versprachen mir, wenn sie an die Macht kommen, werden sie eine hübsche Gefängniszelle für mich finden«, erzählt der Geschichtsdozent.

Selbst kritische Historiker wollen derzeit keine öffentliche Debatte über OUN und Bandera führen. Georgi Kasianow, Historiker an der Akademie für Wissenschaften in Kiew und in der Vergangenheit scharfzüngiger Kritiker der herrschenden Geschichtspolitik, hält es für das Beste, historische Diskussionen bis auf weiteres zu vermeiden. »Wenn die Westukrainer den Bandera-Kult etablieren und von den Helden der UPA reden wollen, sollen sie das tun, und zwar bei sich. Sie sollen aber nicht nach Donezk gehen und anderen ihre historische Bewertung aufzwingen, und das gleiche sollte für die Ostukraine gelten«, findet Kasianow, der dann noch, wenn auch mit ironischem Unterton, von einer »friedlichen Koexistenz zwischen Bandera und Lenin« spricht. Ähnlich plädiert Hryzak für einen »Pakt des Vergessens«, so wie er in Spanien nach Francos Tod 1975 praktiziert worden sei. »Nach meinem Verständnis ist die Ukraine nicht reif für historische Diskussionen«, sagt er. Es wäre gar »selbstmörderisch« für das Land, »wenn man Debatten über Bandera« lostrete. »Das werden Sie als Deutscher nicht verstehen«, schiebt Hryzak hinterher.

In der Praxis gibt es seinen erinnerungspolitischen Waffenstillstand aber ohnehin nicht. Der amtierende Präsident Petro Poroschenko hat zwar mehrfach, geradezu integrativ, sowohl die Veteranen der Roten Armee als auch die der UPA als Verteidiger der Ukraine bezeichnet; erst dieser Tage erklärte er aber den 14. Oktober, den die Nationalisten als Gründungstag der UPA begehen, zum staatlichen Feiertag. Die Bandera-Anhänger denken überhaupt nicht daran, passiv zu bleiben. Wo sie hinkommen, werden Lenin-Statuen gestürzt, und mit Wiatrowitschs »Institut des nationalen Gedächtnisses« genießen ihre Deutungen Protektion von ganz oben. Jüdische und polnische Einwohner des Landes müssen weiter zusehen, wie ein faschistischer Politiker und seine Killertruppe zu Heroen aufgebaut werden.

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Lettland: Salaspils http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/04/lettland-salaspils/ http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/04/lettland-salaspils/#comments Mon, 21 Apr 2014 15:28:00 +0000 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/?p=4209 Weiterlesen ]]> Den Aufenthalt in Riga haben wir auch dazu genutzt, Interviews zu führen: Mit dem Historiker Maris Ruks und der Vizedirektorin des Ghetto-Museums. Wir werden sehen, inwiefern wir die Interviews hier veröffentlichen können. Außerdem haben wir uns die Gedenkstätte Salaspils angesehen. Ein videographischer Eindruck hier (von Arndt Beck).

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Antifa in Lettland: Nicht nur Blumen am “Tag der Legionäre” http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/04/antifa-in-lettland-nicht-nur-blumen-am-tag-der-legionaere/ http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/04/antifa-in-lettland-nicht-nur-blumen-am-tag-der-legionaere/#comments Mon, 21 Apr 2014 15:20:45 +0000 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/?p=4203 Weiterlesen ]]> Protest am Dom
Wie weiter unten in diesem Blog zu sehen ist, gab es in diesem Jahr einen Aufruf zu internationalen Protesten gegen den Waffen-SS-Gedenkmarsch in Riga. Rund 30 AntifaschistInnen aus Deutschland sind nach Riga gekommen, um dort die Aktivitäten von “Lettland ohne Nazismus” und dem Lettischen Antifaschistischen Komitee zu unterstützen. Ein gemütlicher Wochenendausflug war es nicht: Fast 50 Stunden Busfahrt (hin und zurück) bei rund 24 Stunden Aufenthalt. Aber gelohnt hat es sich.

Wir dokumentieren hier einen Bericht aus dem Neuen Deutschland, der jungen welt und der ZivilCourage (sobald sie erschienen ist). Eine gute Übersicht über die Medienberichterstattung hat die britische Antifaschistin Monica Lowenberg erstellt, mit Hilfe u. a. von Lothar Eberhardt (Kappa Photo) und Arndt Beck. Und Dovid KatzRoter Keil in den Helm.. war natürlich auch dort.

Fotos auf dieser Seite: Frank Brendle. Nachdruckmöglichkeit nach Anfrage. (Und: Ja, die Fotos sind alle vom 16. März dieses Jahres. Das Wetter war wirklich so verrückt – im einen Moment beinahe ein Schneesturm, im nächsten strahlender Sonnenschein)
Medieninteresse

 

Protest gegen SS-Marsch

Fahnenspalier am Denkmal

Alte Kameraden

Fahnenspalier im Schneetreiben

Freiheitskämpfer...

Protest am Dom

Polizei weist den Weg...

SS-Ehrung durch die ganze Familie

An der Spitze ein Pastor

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“Слава Україні — Героям Слава”: Faschisten zum Vorbild http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/04/faschisten-zum-vorbild/ http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/04/faschisten-zum-vorbild/#comments Mon, 21 Apr 2014 14:56:26 +0000 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/?p=4189 Weiterlesen ]]> Vorbemerkung: Eine abschließende Bewertung der Ereignisse auf dem Maidan werden wir hier nicht vornehmen. Wir bleiben bei unserem Schwerpunktthema: Geschichtspolitik in Osteuropa. Dazu dieser Text.

Viele Oppositionelle auf dem Kiewer Maidan berufen sich auf die »Organisation Ukrainischer Nationalisten«. Deren Milizen ermordeten während des Zweiten Weltkriegs Zehntausende Polen und Juden. (junge Welt, 20. 2. 2014)
Die Massenproteste in der Ukraine werden von westlichen Medien und Regierungen überwiegend als Ausdruck demokratisch-europäischer Werte dargestellt. Im Selbstverständnis vieler Demonstranten mögen sie dies auch sein. Doch das Geschichtsverständnis, das sie transportieren, hat mit einem demokratischen Europa nichts zu tun, sondern vielmehr mit der klammheimlichen Rehabilitierung einer faschistischen Bewegung.
»Ruhm der Ukraine – Ruhm den Helden« – diese Anrede ist derzeit überall zu hören, wo demonstrierende Ukrainer zusammenkommen. Es ist eine alte Parole der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) aus dem Jahr 1941. Auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, sind auch die schwarz-roten Fahnen der OUN allgegenwärtig. Einige Demonstranten mögen von der Organisation noch nie gehört haben, andere sie womöglich für eine integre Organisation halten, die in der Zwischenkriegs- und Kriegszeit für eine unabhängige, demokratische Ukraine gekämpft habe.

Ein großer, fataler Irrtum, der nur den Neofaschisten zupaß kommt. Für die auf dem Maidan präsente Partei Swoboda etwa sind die OUN und deren langjähriger Anführer Stepan Bandera klare historische Vorbilder. Die OUN war eine faschistische Organisation. Ihre Milizen ermordeten während des Zweiten Weltkrieges in der westlichen Ukraine Zehntausende wehrloser Polen und Juden. Der Verband kollaborierte je nach Zeit, Ort und Situation in unterschiedlichem Maße mit den Nazis.

Die OUN wurde Anfang Februar 1929 in Wien gegründet mit dem Ziel, einen unabhängigen Staat in den »ethnographischen ukrainischen Gebieten« zu errichten. Aktive Präsenz erlangte sie aber fast nur in der Westukraine, vor allem in Ostgalizien und, schwächer, in Wolhynien – Gegenden, die nach dem Ersten Weltkrieg an Polen gefallen waren. Das Ziel verfolgte sie mit Attentaten wie auch mit Boykottbewegungen. Angestrebte Staat wurde als »Naziokratija« definiert: die »Herrschaft der Nation im Staat«. Die Historikerin Franziska Bruder nennt in ihrer Arbeit »›Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben!‹ Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929–1948« »nationalistisch-faschistische Grundkoordinaten«: »Nation als höchster Wert, radikaler Antikommunismus, ethnisch exklusives Nationenverständnis, in dem Antisemitismus und Antipolonismus feste Bestandteile waren, sowie die Befürwortung des Terrors als Mittel der politischen Auseinandersetzung«. Ein Vorbild nahm die OUN sich insbesondere am italienischen Faschismusmodell.

Um ihr Ziel zu erreichen, wollte sie »alle Okkupanten vollständig von der ukrainischen Erde beseitigen«. Da Ethnien als homogene Einheiten gedacht waren, betraf das ungeachtet ihrer sozialen Stellung sämtliche Polen, Juden und andere »Fremde«. Dem zu schaffenden »neuen Ukrainer« verpaßte die OUN 44 »Lebensregeln des ukrainischen Nationalisten«. Darin ging es vor allem um absolutem Gehorsam – ständige Kampfbereitschaft, bedingungslose Unterordnung bis hin zum Gebot: »Ein Kämpfer darf nicht zögern, seinen Vater, Bruder oder besten Freund zu töten, wenn er dazu einen Befehl bekommt«. Regel Nummer 40 schrieb vor: »Mache aus deiner Familie ein Gefäß für die rassische Reinheit deiner Nation«. Sogenannte Mischehen galten als »Verrat an der Nation«.
Antisemitismus von Anfang an
Franziska Bruder bezeichnet die Verwendung des Begriffs »Naziokratija« als »Taschenspielertrick«: »Im Prinzip nannten sich die ukrainischen Nationalisten nur deshalb nicht Faschisten, weil sie die ›Originalität‹ des ukrainischen Nationalismus betonen wollten.« Antisemitismus gehörte von Anfang an zur ideologischen Grundausstattung. In der Theoriezeitschrift der OUN Rosbudowa Nazii (Aufbau der Nation) wurden schon 1929 Juden als »feindlicher Körper in unserem nationalen Organismus« gebrandmarkt. Durchweg findet sich das Stereotyp der »Judenkommune« oder des »moskau-jüdischen Apparats«, gegen die ukrainische »Selbstverteidigung« notwendig sei. Das eher rudimentäre soziale Programm der OUN sah die Enteignung (meist polnischer) Großgrundbesitzer vor, womit sie bei der Masse der ukrainischen Kleinbauern punkten konnte.

Strukturell war die OUN, so Bruder, eine »Kaderpartei mit Bewegungscharakter«. Die Masse ihrer Mitglieder war männlich und zwischen 18 und 30 Jahre alt. Einer der wichtigsten Rekrutierungsorte für neue Mitglieder waren ukrainische Gymnasien sowie die Universität in Lemberg (heute Lwiw).

Die OUN war von Gründung an die mit Abstand dynamischste Organisation der Westukraine. Es gelang ihr, in ukrainischen Bildungsvereinen, bei den Pfadfindern und Sportvereinen ein breites Netzwerk aufzubauen. Auf Hochzeiten, Volksfesten und bei anderen Feierlichkeiten wurden nationalistische Lieder gesungen, OUN-Fahnen geschwenkt, Spenden gesammelt, Postkarten und Abzeichen verkauft.

Sie rief in »antikolonialen Aktionen« zum Boykott polnischer und jüdischer Geschäfte und zum gewaltsamen Ausschluß aller Nichtukrainer aus dem gesellschaftlichen Leben auf. Ihrem bewaffneten Arm, der zunächst als »Ukrainische Militärische Organisation« (UWO) firmierte, gelang es immer wieder, mit Anschlägen Angst und Schrecken zu verbreiten. Nachdem am 15. Juni 1934 der polnische Innenminister Bronisaw Pieracki von der UWO ermordet worden war, wurde auch dem späteren OUN-Führer Stepan Bandera der Prozeß gemacht. Vor Gericht machte er aus seinem Menschenbild kein Hehl: »Unsere Idee und unsere Anschauung sind so groß, daß wir es, um sie zu verwirklichen, wagen, das Leben des einzelnen, von Hunderten, sogar von Millionen zu opfern.« Außer polnischen Beamten ermordete die OUN/UWO auch »gemäßigte« Ukrainer, die den Alleinvertretungsanspruch der OUN ignorierten und sich in deren Augen der »Verbrüderung« zwischen den »verfeindeten Völkern« schuldig machten. Das galt insbesondere für die Anhänger der legalen Ukrainischen Nationaldemokratischen Allianz (UNDO), die auch im polnischen Parlament, dem Sejm, vertreten war. »In den meisten Fällen bedrohte oder ermordete die OUN Ukrainer, die sich weigerten, an OUN-Kampagnen teilzunehmen«, so Bruder.

Als gleichsam »natürlicher« Bündnispartner in ihrem Kampf gegen Polen und Juden erschien der Organisation das Deutsche Reich. Dieses war schon wegen seiner Intervention im Bürgerkrieg 1918 gegen die Bolschewiki in guter Erinnerung. Von Anfang an gab es eine ausgeprägte Zusammenarbeit: Die OUN lieferte der deutschen Abwehr Informationen über polnische Kräfte, dafür erhielten ihre Kader eine geheime militärische Ausbildung durch die Reichswehr. Die Nazis fuhren die Kontakte zur OUN allerdings (bis 1938) zunächst herunter, weil sie auf eine vorübergehende Entspannung in den Beziehungen zu Warschau setzten. Mit dem deutschen Überfall auf Polen 1939 kamen Hunderte gefangener OUN-Aktivisten, darunter auch Bandera, aus polnischer Haft frei. Ostgalizien wurde gemäß dem Ribbentropp-Molotow-Pakt (sogenannter Hitler-Stalin-Pakt) von der Roten Armee besetzt.

Den sich zuspitzenden Streit über die richtige Taktik entschied der radikalere, militantere Flügel unter Stepan Bandera für sich. Nach ihm wird dieser Flügel als OUN (B) bezeichnet, der kleinere Flügel unter Andri Melnik als OUN (M). Der OUN- (B)-Kongreß im April 1941 bestätigte Bandera als Vorsitzenden und beschloß die Einführung des faschistischen Grußes: Man hebe den rechten Arm »leicht nach rechts, leicht über den Kopf hinaus«, rufe dazu »Ruhm der Ukraine« und antworte »Ruhm den Helden.«. Die rot-schwarze Fahne – rot für das vergossene Blut und schwarz für die Erde – wurde als Symbol der OUN eingeführt. Der Tonfall verschärfte sich drastisch: »Die Organisation Ukrainischer Nationalisten bekämpft die Juden als Stütze des Moskauer Bolschewistenregimes, macht aber gleichzeitig den Volksmassen deutlich, daß Moskau der Hauptfeind ist«, so eine Resolution des Kongresses von 1941. Interne Instruktionen ermunterten im Mai 1941 dazu, »unerwünschte polnische, Moskauer und jüdische Funktionäre zu liquidieren«.

Am Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion beteiligten sich mit den Bataillonen »Nachtigall« und »Roland« zwei ukrainische Einheiten unter deutschem Kommando, deren jeweils knapp 350 Soldaten von der OUN nominiert worden waren. »Nachtigall« war beim Einmarsch in Lemberg am 30. Juni 1941 dabei und beteiligte sich an der sofort darauf folgenden Ermordung Tausender jüdischer Einwohner.
Pogrome nach »Staatsgründung«
Am Abend des 30. Juni verkündete ein kleiner Kreis von OUN-Kadern die ukrainische Unabhängigkeit. Zum »Regierungschef« wurde Jaroslaw Stezko bestimmt, zum Führer des neuen Staates der abwesende Bandera. Nach eigenen, nicht unplausiblen, Angaben hatte die OUN damals rund 20000 erwachsene Mitglieder, plus 7000 jugendliche, in Hunderten von Orten. Sie wurden praktisch alle mobilisiert. Sogenannte Marschgruppen – die ebenfalls eine militärische Ausbildung im Reichsgebiet erhalten hatten – eilten, zum Teil noch vor der Wehrmacht, in die von der Roten Armee aufgegebenen Ortschaften und errichteten eigene Verwaltungen. In öffentlichen Versammlungen sollten die Dorfbewohner die Führung Banderas bestätigen und einen Treueeid auf den ukrainischen Staat leisten. Einen solchen »Staatsverkündungsakt« gab es nach einer Auswertung des Historikers Grzegorz Rossolinski-Liebe in immerhin 213 Distrikten der Ukraine. Das zeigt den breiten Einfluß der OUN, wenn auch keineswegs feststeht, daß der »Treueeid« stets freiwillig erfolgte.

Dieser von der OUN als »nationale Revolution« beschriebene Vorgang ging in mindestens 58 Ortschaften mit antisemitischen Pogromen einher, die zwischen 13000 und 35000 Menschenleben kosteten. »Sie schlachteten mit ihren Macheten buchstäblich Juden in Stücke«, heißt es in einem Bericht einer Überlebenden. Täter waren meist von der OUN aufgestellte Milizen: »Die Juden provozieren, sie sagen, sie könnten nicht leben, daher wollten sie unsere Leute und unsere Bevölkerung vernichten. Wir stellen eine Miliz auf, die hilft, die Juden zu entfernen und die Bevölkerung zu schützen«, erklärte Stezko am 25. Juni in klassischer Opfer-Täter-Umkehr. In seiner im Juli 1941 geschriebenen Autobiographie bezeichnete er Juden als schädlich und gefährlich. »Daher stehe ich auf dem Standpunkt, daß die Juden vernichtet werden müssen und daß es zweckmäßig ist, in der Ukraine die deutschen Methoden der Judenvernichtung einzuführen.« Über diese Methoden war die OUN schon aus dem besetzten Polen im Bilde. Sie ordnete an, jüdische Einwohner durch weiße Abzeichen mit blauem sechszackigen Stern zu kennzeichnen und zur Zwangsarbeit zu verpflichten.

Bei der Verkündung der ukrainischen Staatsgründung in Lemberg wurde der Wunsch nach enger Zusammenarbeit mit dem »nationalsozialistischen Großdeutschland, das unter Führung Adolf Hitlers eine neue Ordnung in Europa aufbaut«formuliert – ein Satz, der später aus den OUN-Dokumenten wieder gestrichen wurde. Doch mit ihrem eher putschistischen Projekt hatte sich die OUN überhoben: Die Nazis dachten überhaupt nicht daran, sie als gleichberechtigte Partnerin zu behandeln. Bandera und Stezko wurden Mitte Juli verhaftet und kamen später in den Zellenbau des KZ Sachsenhausen. Mitte August ging die OUN in den Untergrund, einen Monat später führten die Nazis eine großangelegte Verhaftungsaktion gegen ihre Mitglieder durch.

Nach wie vor existierten ukrainische Einheiten, wie das aus »Roland« und »Nachtigall« hervorgegangene sogenannte Schutzmannschafts­bataillon 201, die bis zu ihrer Auflösung Ende 1942 zur »Partisanenbekämpfung« eingesetzt wurden. Die OUN entsandte außerdem ihre Leute in die ukrainischen Hilfspolizeiformationen, um ihnen eine militärische Ausbildung zu ermöglichen. 1943 begann sie, auch mit der zunächst abgelehnten ukrainischen Waffen-SS-Division »Galizien« zu kooperieren.

1942 verschärften die Nazis die Besatzung, rekrutierten Zwangsarbeiter und beuteten das Land rücksichtslos aus. Zugleich rückten erste sowjetische Partisanengruppen vor. Die OUN mußte handeln: In ihrer Propaganda stellte sie Deutschland und die Sowjetunion gleichermaßen als Gegner dar, zugleich bereitete sie sich auf den militärischen Kampf vor. Sie führte Ende 1942 ihre Kampfgruppen zusammen und bildete damit die »Ukrainische Aufständische Armee« (UPA), die alsbald andere nationalistische Gruppierungen (darunter eine bereits existierende Truppe gleichen Namens sowie Gruppierungen des Melnik-Flügels) unter ihre Kontrolle zwang. Als offizielles – aber fiktives – Gründungsdatum wurde nachträglich der 14. Oktober 1942 ausgegeben, bis heute ein wichtiger Feiertag im Kalender nationalistischer Organisationen der Westukraine.

Die UPA wurde rasch äußerst populär, ihre Unterstützung durch die Landbevölkerung wurde als »selbstverständliches Umsorgen der ›erweiterten Familie‹«, so die Historikerin Bruder, verstanden. Das Oberkommando hatte der frühere »Nachtigall«-Führer Roman Schuchewitsch, der ab Sommer 1943 in Personalunion auch OUN-Chef war. Zur UPA stießen neben den ukrainischen Bataillonen Tausende übergelaufene ukrainische Polizisten, aus Kriegsgefangenschaft geflohene Rotarmisten, Überläufer der SS-Division »Galizien« und junge Männer, die vor ihrer Verschleppung nach Deutschland flohen. Als »wahrscheinlich solideste Schätzung« gibt Bruder an, daß der UPA zu keinem Zeitpunkt mehr als 25000 bis 30000 Mann angehört hatten, bei hoher Fluktuation.
Gegen Polen und Deutsche
Hauptangriffsziel der Ukrainischen Aufständischen Armee im ersten Jahr ihres Bestehens war weder die Wehrmacht noch die Rote Armee, sondern die polnische Zivilbevölkerung in Wolhynien. Um zu verhindern, daß nach der absehbaren Niederlage der Nazis erneut Polen die Herrschaft über die Westukraine beanspruchen würde, setzte die OUN-UPA auf die physische Vernichtung der polnischen Bevölkerung. Nach anfänglich gezielten Angriffen auf polnische Funktionäre in der deutschen Zivilverwaltung wuchs sich die »antipolnische Aktion« (UPA) bald zu einer »ethnischen Säuberung« aus. Ab April 1943 wurden immer wieder größere Angriffe auf Dörfer und Siedlungen unternommen. Das blutigste Massaker fand am 11. Juli 1943 statt, als gleich mehrere Dörfer überfallen wurden. »Die mit Beilen, Sägen, Forken und Messern bewaffneten Ukrainer töteten die gesamte polnische Bevölkerung. Die deutsche Abwehr berichtete über die Mordaktionen unter dem Stichwort ›Ausrottung polnischer Siedler in Wolhynien‹«, so Bruder. Die Massaker dauerten bis in den Herbst 1943 und kosteten nach polnischen sowie ukrainischen Schätzungen 70000 bis 90000 Menschenleben. Gegenaktionen des polnischen Untergrundes fielen wiederum rund 15000 bis 20000 Ukrainer zum Opfer. Wiederholt beteiligten sich UPA-Einheiten auch an Überfällen der Waffen-SS-Division »Galizien« auf polnische Dörfer, so etwa am 28. Februar 1944 auf Huta Pieniacka. Noch heute kann auch hier die Zahl nur geschätzt werden: zwischen 500 und 1500 Menschen.

Spürte die UPA in den Wäldern versteckte Juden auf, ermordete sie diese meist gleich, einige mußten Zwangsarbeit leisten und wurden dann beim Anmarsch der Roten Armee ermordet. Das rassistische Weltbild der OUN zeigt eine ihrer Erklärungen aus dem Jahr 1942: »Die Polen helfen Juden sehr eifrig und verstecken sie, um sie vor der Vernichtung durch die Deutschen zu retten, da sie Juden als ihre natürlichen Verbündeten im Kampf gegen die Ukrainer betrachten.«

Bisweilen wurden auch die Deutschen von der UPA ins Visir genommen. In aller Regel vermied sie direkte Angriffe auf die Wehrmacht und konzentrierte sich auf die Zivilverwaltung. Im Februar 1943 aber wurde ein deutscher Polizeiposten nahe Riwne angegriffen. Bis Mai folgten weit über 100 Überfälle auf Staatsgüter, Versorgungsbetriebe und Bahnanlagen. Häufig hatten die Aktionen zum Ziel, den Abtransport von Zwangsarbeitern zu verhindern. Im Laufe des Jahres 1943 waren weite Teile Wolhyniens »befreit« – von Deutschen, Polen und Juden. »Die meisten militärischen Auseinandersetzungen führte die OUN-UPA mit den sowjetischen Partisanen«, so Bruder. Zum Beispiel wurde die Einheit von Sidir Kowpak, der Ende 1942 nach Wolhynien vorgedrungen war, von der UPA wieder zurückgeschlagen. In ihrer Propaganda stellten die ukrainischen Milizen heraus, unter den Partisanen befänden sich »Zigeuner, Moskale (gemeint sind »Moskauhörige«, jW), Juden und anderes Pack«, die Beteiligung von (Ost-)Ukrainern wurde unterschlagen.

Der Mordfeldzug gegen Polen wurden 1944 in Ostgalizien fortgeführt. Je näher die Rote Armee rückte, desto eiliger wollte die UPA ein ethnisch »gesäubertes« Kampffeld schaffen. Anfang 1944 begann sie, erneut mit den Nazis zu verhandeln, im Frühjahr kam es zu einem formellen Abkommen: Die UPA versorgte die Besatzer mit Informationen über Standorte der Roten Armee und der Partisanen. Die Deutschen erwarteten aktive Hilfe gegen sowjetische Fallschirmspringer und »bolschewistische, polnische und jüdische Banden«, dafür boten sie der UPA materielle Unterstützung, vornehmlich Verbandsmaterial, auch einige Waffen, und militärisches Training. In den Wehrmachtsberichten avancierte die UPA von einer »Bande« zu einer »befreundeten Truppe«. Bei Begegnungen zwischen ihr und Wehrmachtseinheiten wurde in der Regel ein Waffenstillstand eingehalten, es kam dennoch wiederholt vor, daß deutsche Soldaten von der UPA entwaffnet, aber am Leben gelassen wurden. Ein Zeichen für die Wiederannäherung von OUN-UPA und Nazis war auch die im Oktober 1944 erfolgte Entlassung von Bandera und Stezko aus dem KZ. Im November gründeten sie das – nur scheinbar überparteiliche – Ukrainische Nationalkomitee, das noch am 12. März 1945 in einer rein symbolischen Aktion durch die Reichsregierung als alleinige Vertretung des ukrainischen Volkes anerkannt wurde.

Die UPA führte noch Jahre nach dem Einmarsch der Roten Armee Attentate gegen sowjetische Funktionäre und Militärs sowie Anschläge auf Eisenbahnlinien und Telefonleitungen durch, wurde aber nach und nach aufgerieben. Am 5. März 1950 starb der UPA-Kommandeur Schuchewitsch bei einem Gefecht in der Nähe von Luiw.

Verklärende Geschichtsschreibung

Nach Kriegsende im Exil, vor allem in den USA, Kanada und Deutschland, entwickelten die OUN-Anhänger eine rege publizistische Tätigkeit, um ihre eigene Geschichte schönzuschreiben. Verräterische Beschlüsse wie etwa die Einführung des faschistischen Grußes oder die Hommage an Hitler beim »Staatsgründungsakt« wurden gestrichen, der Antisemitismus geleugnet.

Beiseite gewischt wurde auch, mit welcher mörderischen Unerbittlichkeit die OUN-UPA gegen andersdenkende Ukrainer vorgegangen war. Schon vor dem Krieg wurden »gemäßigte« Ukrainer umgebracht, erst recht während des Krieges. Bruder zitiert einen UPA-Beschluß vom September 1943, in dem jene zu »Feinden des ukrainischen Volkes« erklärt wurden, die »nicht für die UPA arbeiten, sondern als Verräter zum Nutzen der Feinde«. Eine von dem Historiker Per Anders Rudling aufgefundene sowjetische Quelle geht für das Jahr 1943 von 60 Prozent Zwangsrekrutierten bei der UPA aus. Das mag aus politischen Gründen übertrieben sein, Druck hat es aber fraglos gegeben.

Rossolinski-Liebe und Rudling haben in mehreren Artikeln nachgewiesen, wie die verklärende Darstellung der rassistisch-nationalistischen Kräfte aus dem Exil schon in den 1980er Jahren (über die »Dissidenten«) und erst recht nach 1990 in die Ukraine kam. Die sowjetische Geschichtsschreibung hatte sich als unglaubwürdig erwiesen – statt dessen wurde und wird von vielen das Gegenteil für bare Münze genommen.

Unter der Präsidentschaft von Wiktor Jusch­tschenko war die OUN-Glorifizierung Staatsziel. Gleich mehrere mit Steuermitteln gesponserte Institute beschäftigten sich mit dem Nachdruck der geschönten Exilliteratur oder neueren Verklärungen. Zum Chef des Geheimdienstarchivs und damit zum Hüter sämtlicher OUN-relevanter Informationen wurde Wolodimir Wiatrowitsch ernannt, ein Mann, der die Behauptung, die SS-Division »Galizien« habe aus Nazikollaborateuren bestanden, als »sowjetische Propaganda« abstempelt und eine grob verfälschende Darstellung über die angebliche Judenfreundlichkeit der UPA verfaßte. Am Ende seiner Amtszeit 2010 verlieh Juschtschenko posthum Bandera und Stezko den Titel »Helden der Ukraine«. Die Entscheidung wurde nach Amtsantritt des jetzigen Präsidenten Wiktor Janukowitsch zurückgenommen, Wiatrowitsch gefeuert, die Pro-OUN-Kampagne eingestellt. Doch seriöse Forschung bleibt schwierig: Rudling vermerkt, daß »wissenschaftliche Forschung verspottet wird als Feindpropaganda, kritische Stimmen als kommunistische eingestuft werden, als Putin-Unterstützer oder ›nützliche Idioten‹ im Dienste Janukowitschs und des Kreml«.

Es ist nicht anzunehmen, daß jeder auf dem Maidan, der den OUN-Gruß entbietet, dessen historischen Hintergrund kennt. Es ist angesichts der massiven Geschichtsklitterungen auch nicht vorauszusetzen, daß die verbrecherische Geschichte der OUN weithin geläufig ist. Umso mehr liegt es in der Verantwortung ukrainischer Akademiker, von denen viele die Proteste unterstützen, genau hierüber aufzuklären. Nur sie können das leisten, Belehrungen werden die Ukrainer weder aus Moskau noch aus Berlin akzeptieren. Geschichtsvergessenheit jedenfalls dürfte nur schwer als Basis für den Weg in eine demokratische Zukunft taugen.

Literatur

Franziska Bruder: »Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben!« Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929–1948, Berlin 2007

Frank Brendle ist Historiker und Landesgeschäftsführer der DFG-VK Berlin

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http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/04/faschisten-zum-vorbild/feed/ 0
Am „Tag der Legionäre“: Blumen für die Waffen-SS? http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/02/am-tag-der-legionaere-blumen-fuer-die-waffen-ss/ http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/02/am-tag-der-legionaere-blumen-fuer-die-waffen-ss/#comments Tue, 04 Feb 2014 23:08:51 +0000 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/?p=4173 Weiterlesen ]]> Riga am 16. März

[Flyer als pdf]

Infoveranstaltung mit Gästen aus Riga (Lettland)

Riga am 16.März:

Am „Tag der Legionäre“: Blumen für die Waffen-SS?

Gegen die Verherrlichung der Waffen-SS,

Gegen die Verdrehung der Geschichte

Solidarität mit Nazi-Opfern und Antifaschist_innen in Lettland
Donnerstag, 20. Februar 2014, 19.00 Uhr

Mit Joseph Koren, Lettland ohne Nazismus

Aleksej Sharipov, Lettisches Antifaschistisches Komitee

Moderation: Dr. Regina Girod, Bundessprecherin der VVN-BdA

Die beiden lettischen Antifaschisten berichten über die Vorgänge in Riga, ergänzt werden sie von persönlichen Eindrücken deutscher Teilnehmer_innen der Proteste vom Vorjahr. In einer Vorschau wird auch der im Juli stattfindende Waffen-SS-Aufmarsch in Estland (Sinimä) angesprochen.

Außerdem erörtern wir Möglichkeiten, die Proteste in diesem Jahr zu unterstützen.

Berlin, Café Sybille, Karl-Marx-Allee 72 – 10243 Berlin- Friedrichshain,

U – Strausberger Platz oder Weberwiese

Veranstalter_innen:

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

Internationale Föderation der Widerstandskämpfer- Bund der Antifaschisten

Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner_innen

SS-Männer sind Verbrecher, keine Helden!

Gegen die Umdeutung der Geschichte

Jedes Jahr wiederholen sich in den baltischen Staaten Lettland und Estland Aufmärsche ehemaliger baltischer Waffen-SS-Angehöriger und ihrer heutigen Sympathisant_innen.

Tausende Teilnehmer_innen stilisieren die früheren Kollaborateure der Deutschen zu „Freiheitskämpfern“ gegen die Sowjetunion und zu nationalen Helden. Die Umdeutung der Geschichte, die Gleichsetzung „Rot gleich Braun“ stößt im Baltikum auf breite gesellschaftliche Zustimmung. Dieser Geschichtsrevisionismus paart sich mit einem aggressiven völkischen Nationalismus, der viele russisch-stämmige Einwohner_innen der baltischen Staaten zu Bürger­_innen zweiter Klasse macht. Wer gegen die Naziverherrlichung protestiert, gilt damit automatisch als „Agent Moskaus“, als jüdischer Störenfried oder als Nestbeschmutzer.

Die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) ruft dazu auf, die Proteste gegen die Aufmärsche zur Verherrlichung der lettischen Waffen-SS in diesem Jahr mit internationalen Delegationen zu unterstützen. In Berlin mobilisieren die VVN-BdA und die DFG-VK dazu, am 16. März in Riga zu den lettischen Antifaschist_innen zu stoßen.

„Tag der Legionäre“ – Waffen-SS-Marsch in Riga

Die Veteranen und Sympathisant_innen der ehemaligen „Lettischen Legion“ ziehen jedes Jahr am 16. März durch die Innenstadt von Riga. Das ist der Jahrestag der ersten großen Schlacht, die die lettische Waffen-SS gegen die Rote Armee geführt hat.

Ziel des Umzugs ist das Freiheitsdenkmal. Dieses erinnert an den Unabhängigkeitskampf Lettlands nach 1918, das zuvor Teil des russischen Zarenreiches war. So wird eine historische Kontinuität konstruiert: Die Waffen-SS-Männer werden in den Kanon der nationalen Freiheitskämpfer aufgenommen, die – gegen die Russen! – für die nationale Unabhängigkeit gekämpft hätten.

Der aggressive Antisemitismus der Mitglieder dieser Truppe, die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit, die von dieser Truppe begangen wurden, interessieren dabei nicht.

Im Jahr 2012 beteiligten sich rund 1500 Menschen, meist aus der Generation der Kinder und Enkel, an dem Aufmarsch, der von der Veteranenvereinigung, von einem nationalistischen Jugendverband und der Partei „Alles für Lettland“, organisiert wird. Sie ist momentan Teil der Regierungskoalition.

Die positive Erinnerung an die Waffen-SS ist in Lettland absolut salonfähig. Ihre Veteranen werden zu Vorträgen in Schulen eingeladen, das staatliche „Okkupationsmuseum“ stellt sie als „Unabhängigkeitskämpfer“ während des Zweiten Weltkrieges dar. Staatspräsident Andris Berzins sagte 2012, man solle sich vor den Waffen-SS-Männern verneigen- sie hätten schließlich „für ihr Vaterland“ gekämpft.

Angeführt wird der Aufmarsch von den wenigen noch lebenden Waffen-SS-Veteranen. Auf dem Freiheitsplatz durchschreiten sie ein Fahnenspalier des nationalistischen „Daugava“-Jugendverbandes. Vor dem Denkmal werden schließlich Blumen abgelegt. Ganz oben thront regelmäßig das Farbfoto eines SS-Mannes in voller Montur.

Antifaschist_innen aus Lettland und Israel protestieren gegen Waffen_SS-Verherrlichung

Antifaschist_innen aus Lettland und Israel protestieren gegen Waffen_SS-Verherrlichung

Antifaschistische Proteste

Es gibt in Riga seit Jahren Proteste gegen die alljährliche Gedenkveranstaltung an die lettischen Waffen-SS-Männer, die aber über wenige Dutzend Teilnehmer_innen nicht hinauskommen. Im vergangenen Jahr konnten sich die Aktivist_innen des Lettischen Antifaschistischen Komitees am Rand des Unabhängigkeitsplatzes versammeln und die Nazifreunde lautstark mit dem „Buchenwaldmarsch“ begrüßen. Über Lautsprecher und auf Plakaten wurde an die Verbrechen der Nazis erinnert.

Die Bewegung „Lettland ohne Nazismus“(Latvija bez Nacisma) hatte im vorigen Jahr Antifaschist_innen aus mehreren Ländern zu einer Konferenz eingeladen. An ihrem Tagungsort hatten sich ebenfalls Freunde der Waffen-SS versammelt, die den Antifaschist_innen vorwarfen, vom KGB bezahlt zu sein und russisch-imperiale Interessen zu vertreten. Vor dem Eintreffen des rechten Aufmarsches legten die Teilnehmer_innen der Konferenz einen Kranz zu Ehren der Opfer am Freiheitsdenkmal ab. Dieser Kranz wurde wenig später von Angehörigen des „Daugava“-Verbandes zerstört..

Proteste 2014

Die lettischen Antifaschist_innen bemühen sich seit Jahren um eine Internationalisierung der Proteste gegen das Waffen-SS- Gedenken. Diese Bemühungen wollen wir unterstützen. Wie genau die Proteste in diesem Jahr aussehen werden, steht noch nicht fest. Wir streben aber eine sichtbare Präsenz als internationale Delegation an, die der lettischen Öffentlichkeit vor Augen führen soll: Was da in Riga am 16. März geschieht, steht in Widerspruch zu den Lehren aus der Geschichte, in Widerspruch zur Demokratie und zur Freiheit und stößt in Europa auf die entschlossene Ablehnung all jener, die dankbar sind für die Befreiung Europas vom Nazifaschismus.

Im Aufruf der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten heißt es:

Veteranen-Verbände der Waffen-SS und andere Neofaschisten führen seit vielen Jahren Aufmärsche und offene Veranstaltungen in Estland und Lettland durch … Diese Veranstaltungen bereiten den Boden dafür, dass zukünftig auch in anderen Ländern SS-Männer als „normale Soldaten“ oder gar als „Freiheitskämpfer“ gewürdigt werden können … Selbst kleinere international organisierte Demonstrationen oder Veranstaltungen im Baltikum wären eine große Hilfe für die dortigen Antifaschisten und würden im Bereich der EU mit Sicherheit viel Aufmerksamkeit erregen.“

16. März, Riga: Internationale Proteste gegen den Waffen-SS-Aufmarsch. Gegen Geschichtsrevisionismus und die Rehabilitierung des Naziterrors!

Auf der Veranstaltung werden wir die Optionen vorstellen, gemeinsam mit einem gecharterten Reisebus oder individuell mit dem Flugzeug nach Riga zu reisen.

Interessent_innen bitte melden bei: bundesbuero@vvn-bda.de

Weitere Informationen:

www.vvn-bda.de

www.bildungswerk-friedensarbeit.org/wp

http://worldwithoutnazism.org/ (russisch/englisch)

Unterstützt vom Fraktionsverein der LINKEN

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http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2014/02/am-tag-der-legionaere-blumen-fuer-die-waffen-ss/feed/ 0
Bericht über die 1. Veranstaltung: Geschichtsbilder und Geschichtslücken in Osteuropa http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/04/bericht-ueber-die-1-veranstaltung-geschichtsbilder-und-geschichtsluecken-in-osteuropa/ http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/04/bericht-ueber-die-1-veranstaltung-geschichtsbilder-und-geschichtsluecken-in-osteuropa/#comments Fri, 12 Apr 2013 11:44:35 +0000 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/?p=2701 Weiterlesen ]]> Die Veranstaltung fand in dem gut besuchten Veranstaltungsraum der Hellen Panke statt.

Wir hatten folgende Beiträge vorbereitet, die wir hier zum Nachlesen, Hören und Sehen zur Verfügung stellen:
1. Einfühungsreferat von Gudrun Schröter
2. Kurzfilm zu den Erinnerungsstätten in der Ukraine
3. Beitrag über die Verhältnisse in Estland
4. Kurzfilm zu den Erinnerungsstätten in Ungarn
5. Redebeitrag und Bildbeitrag zu Litauen
6. Beitrag über Lettland

(Sobald alle anderen Dateine zur Verfügung stehen, werden wir sie hier auch auf den Seiten freischalten.)

Nach den Beiträgen hatten wir noch eine spannende Diskussion von über einer Stunde mit zahlreichen Anregungen.
Zum Schluß zeigten wir noch folgendes Video zur Ankündigung für unsere nächste Veranstaltung am 18.04 im Haus der Demokratie.

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http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/04/bericht-ueber-die-1-veranstaltung-geschichtsbilder-und-geschichtsluecken-in-osteuropa/feed/ 0
Riga: Waffen-SS marschiert – zu Sowjetmusik http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/03/riga-waffen-ss-marschiert-zu-sowjetmusik/ http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/03/riga-waffen-ss-marschiert-zu-sowjetmusik/#comments Sun, 24 Mar 2013 22:20:12 +0000 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/?p=2201 Weiterlesen ]]> Der Aufmarsch der Waffen-SS in Riga vereinigt alle Jahre wieder weit
über 1000 Menschen. Einige Veteranen und noch mehr Sympathisanten der
Lettischen Legion“ versammeln sich, um Hitlers Helfer zu ehren, die als Freiheitskämpfer gegen den Bolschewismus glorifiziert werden. In diesem Jahr gelang den wenigen Antifaschisten aber ein kleiner Partisanenstreich: Die Nationalisten mussten zu sowjetischer Kampfmusik antreten.

Hier ein Film!

Neues Deutschland
junge Welt

Bild: Frank Brendle. Verwendung nur nach Absprache.
Hitlers Helfer beim Blumenabwurf in Riga.

Bilder: Frank Brendle. Verwendung nur nach Absprache.

Hitlers Helfer beim Blumenabwurf in Riga. Platzverweis für Joel Rubinfeld. Platzverweis für Joel Rubinfeld. Einer der Aufrufer zum SS-Marsch war ein nationalistischer Jugendverband. Blumen für die SS-"Freiheitskämpfer". Einmarsch der SS-Fans. 7 ]]>
http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/03/riga-waffen-ss-marschiert-zu-sowjetmusik/feed/ 0
“Rot”=”Braun”? – Veranstaltungsreihe im April/Mai 2013 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/03/rotbraun-veranstaltungsreihe-im-aprilmai-2013/ http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/03/rotbraun-veranstaltungsreihe-im-aprilmai-2013/#comments Thu, 14 Mar 2013 01:56:19 +0000 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/?p=1911 Weiterlesen ]]> [Text als pdf] [Flyer als pdf]

„Rot“=„Braun“?

Holocaust-Relativierung und Erinnerungskriege in Osteuropa

Museum der Okkupationen, Tallinn

Museum der Okkupationen, Tallinn

„Rot“=„Braun“: Die Gleichsetzung des Dritten Reiches mit der Sowjetherrschaft ist ein dominanter Zug in der Geschichtspolitik zahlreicher osteuropäischer Staaten. Milizen, die gemeinsam mit Wehrmacht und Waffen-SS gegen die Sowjetunion gekämpft hatten, wird teilweise der Status als „Freiheitskämpfer“ zugesprochen.

Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, diese Vorgänge und ihre Auswirkungen auf die Holocaust-Forschung öffentlich zu machen und jenen AktivistInnen in Osteuropa, die Gleichsetzung und Holocaust-Relativierung ablehnen, eine Stimme zu geben.

Genozidmuseum Vilnius

Genozidmuseum Vilnius

1. Geschichtsbilder und Geschichtslücken in Osteuropa

Die Politik der Gleichsetzung wird in Form eines Streifzuges durch die wichtigsten „antitotalitären“ Museen veranschaulicht. Dazu gehören das „Museum der Opfer des Genozids“ in Vilnius, das „Museum der Okkupationen“ in Tallinn und das „Haus des Terrors“ in Budapest. Einleitend werden die Grundzüge der Geschichtspolitik insbesondere im Baltikum und der Ukraine vorgestellt.

10. April, Helle Panke, Kopenhagener Straße 9, 19 Uhr

ReferentInnen:
Gudrun Schröter, Literaturwissenschaftlerin; zahlreiche Bild- und Videobeispiele

Denkmal für SS-Soldaten in Estland

Denkmal für SS-Soldaten in Estland

2. Geschichtsverzerrung im Baltikum

Jedes Jahr wiederholen sich in den drei baltischen Staaten Aufmärsche überlebender Waffen-SS-Kämpfer und ihrer Sympathisanten. In Litauen gilt das Hakenkreuz als „kulturelles Erbe“, in Lettland erklären Regierungspolitiker die Waffen-SS zu Verteidigern der lettischen Unabhängigkeit, in Estland gibt der Verteidigungsminister persönlich einen verherrlichenden Bildband der „Estnischen Legion“ heraus. Nazigegner werden als „russische Agenten“ diffamiert. Wir lassen Historiker und antifaschistische AktivistInnen berichten.

18. April, 19 Uhr, Haus der Demokratie, Greifswalder Str. 4, Robert-Havemann-Saal

ReferentInnen:
Dovid Katz, Vilnius (Redakteur von DefendingHistory.com)
Eva X., Kaunas (Antifa Litauen, antifa.lt)
Aleksandrs Feigmanis, Riga (Historiker)
Joseph Koren, Riga (Lettland ohne Nazismus)

Holodomor-Denkmal in Kiew

Holodomor-Denkmal in Kiew

3. Ukraine: Krieg der Erinnerungen

Im Westen der Ukraine wird die „Ukrainische Aufständische Armee“ (UPA) wegen ihres Kampfes gegen die Sowjetunion verehrt, ihre Massaker an der polnischen und jüdischen Bevölkerung ausgeblendet. Der Holodomor, die unter Stalin aus politischen Gründen verschärfte Hungersnot von 1932/33 wird als „Genozid“ an Ukrainern dargestellt, der schlimmer gewesen sei als der Holocaust. Anders als im Baltikum bleibt diese Politik aber nicht unwidersprochen. Dabei relativieren gemeinhin als „prowestlich“ eingestufte Kräfte den Holocaust, während vermeintlich „antiwestliche“ Kräfte den Kampf gegen den Faschismus als historische Notwendigkeit verteidigen. Die Erinnerung an den Holocaust kommt auf beiden Seiten zu kurz.

14. Mai 2013, 19 Uhr, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Raum A, 2. Etage, Stauffenbergstraße 13-14

Referenten:
Georgij Kasianov, Institut für Geschichte an der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Kiew
Grzegorz Rossolinski-Liebe, Freie Universität Berlin
Winfried Jilge, Institut für Slavistik, Universität Leipzig

In Kürze mehr.

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Estland: »Antifaschisten stehen auf einer schwarzen Liste« http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/01/estland-antifaschisten-stehen-auf-einer-schwarzen-liste/ http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/01/estland-antifaschisten-stehen-auf-einer-schwarzen-liste/#comments Sat, 12 Jan 2013 12:17:53 +0000 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/?p=1831 Weiterlesen ]]> Bei unserer Recherchereise zur Geschichtspolitik in Osteuropa machten wir kurz Station in Tallinn. Dabei entstand dieses Interview (hier als pdf) mit einem antifaschistischen Aktivisten der Vereinigung “Estland ohne Nazismus”. Die – nicht unumstrittene – Vereinigung gehört zu den wenigen, die überhaupt gegen Naziaufmärsche protestieren.

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http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/01/estland-antifaschisten-stehen-auf-einer-schwarzen-liste/feed/ 0
“Faschisten sind jetzt populär geworden” http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/01/faschisten-sind-jetzt-populaer-geworden/ http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/2013/01/faschisten-sind-jetzt-populaer-geworden/#comments Sat, 12 Jan 2013 12:13:06 +0000 http://www.bildungswerk-friedensarbeit.org/?p=1801 Weiterlesen ]]> Erstmals ist eine faschistische Partei in der Ukraine in Fraktionsstärke ins Parlament eingezogen: Die “Allukrainische Vereinigung Swoboda” erzielte bei den Wahlen im Oktober 2012 über 10 Prozent. Kurz vor den Wahlen hatte ein Team des Bildungswerkes ein längeres Interview mit einem Mitarbeiter des Instituts für Jüdische Studien an der Nationalen Universität Mohyla-Akademie in Kiew, Wjatscheslaw A. Lichatschew. Eine gekürzte Fassung des Interviews erschien in der jungen Welt, hier als pdf.

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